Islam von A bis Z

Die wichtigsten Begriffe

Mekka - Aquarell von Andreas Ismail Mohr (1989)

von Andreas Ismail Mohr

Inhalt:

AlevitenAliAllahArabischChristenDialog der ReligionenDschihadEngelFrauen und Männer
FundamentalismusFünf Säulen des IslamGebetGlaubeHaddschHadithHeiligeHeilige Schriften
ImamIslamIslamischer StaatIslamistenJenseitsJesusJudenKalifKoranMekka und Medina
MinarettMoscheeMosesMuftiMuhammadMuslimeProphetenRamadanSakatScharia
SchiitenSchriftbesitzerSufismusSunnaSunnitenSureToleranzUmmaUngläubigeVorherbestimmung

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Folgende Begriffe siehe unter den jeweiligen Hauptstichworten:

Auferstehung, siehe Jenseits
Bibel, siehe Heilige Schriften; Jesus
Fasten, siehe Ramadan
Fatwa, siehe Mufti
Gesandte Gottes, siehe Propheten
Gott, siehe Allah
"Heiliger Krieg", siehe Dschihad
Hölle, siehe Jenseits
Iman, siehe Glaube
Islamische Mystik, siehe Sufismus
Islamisches Recht, siehe Scharia
Jüngster Tag, siehe Jenseits
Krieg, siehe Dschihad
Mohammed, siehe die korrekte Form Muhammad
Moslems, siehe die korrekte Form Muslime
Muezzin, siehe Minarett
Mystik, siehe Sufismus
Paradies, siehe Jenseits
Pilgerfahrt, siehe Haddsch
Zakat, siehe Sakat

Hinweis:

Ich empfehle zur grundlegenden Lektüre über den Islam das im Reclam-Verlag erschienene Büchlein "Der Islam. Eine Einführung" von Annemarie Schimmel.

Der Fortgeschrittene greife zu dem dreibändigen Werk "Der Islam" von W. M. Watt, A. T. Welch, M. Marmura, A. Schimmel (u.a.), erschienen als Band 25.1-3 der Reihe "Religionen der Menschheit" [Band I: "Mohammed und die Frühzeit, islamisches Recht, religiöses Leben"; Band II: "Politische Entwicklungen und theologische Konzepte"; Band III: "Islamische Kultur, zeitgenössische Strömungen, Volksfrömmigkeit".]

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Aleviten

Die Aleviten sind eine muslimische Glaubensgemeinschaft, die sich in ihren Glaubensvorstellungen und religiösen Praktiken stark von den "orthodoxen" Muslimen (Sunniten) unterscheidet, etwa dadurch dass sie nicht im Ramadan fasten und der Koran bei ihnen keine tragende Rolle spielt. Sie verehren ganz besonders Ali und seine Nachfolger – die zwölf Imame – und erweisen sich damit als eine der Zwölfer-Schia (Schiiten) entstammende Gruppierung; ihr Name bedeutet wörtlich "Ali-Anhänger".

Selbstdarstellung: Ismail Kaplan: Das Alevitentum. Eine Glaubens- und Lebensgemeinschaft in Deutschland. Köln: Alevitische Gemeinde Deutschland e.V., 2004

Eine ganz andere Sondergemeinschaft sind die in Syrien und teilweise auch in der Türkei vertretenen Alawiten (auch Nusairis genannt), die sich ebenfalls nach Ali benennen und zu den Schiiten zählen.



Ali

Der Cousin und Schwiegersohn des Propheten Muhammad – er war mit dessen jüngster Tochter Muhammads, Fatima, verheiratet – wurde der vierte Kalif, d.h. der vierte Nachfolger des Propheten als Führer der muslimischen Gemeinschaft, hatte aber stets viele Gegner und war politisch nicht sehr glücklich: Ali wurde im Jahre 661 n.Chr. ermordet. Aus seiner Anhängerschaft entstanden die Schiiten, die nur Ali und seine Nachfahren als rechtmäßige Kalifen oder Imame der muslimischen Gemeinschaft betrachteten. Ali genießt jedoch bei allen Muslimen, auch den Sunniten, die ihn als den vierten Kalifen verehren, große Hochachtung.



Allah

Allah ist das arabische Wort für Gott. Es ist keine speziell islamische Gottesbezeichnung, sondern wird auch von arabischen Juden und Christen für Gott verwendet, selbst im katholisch geprägten Malta, wo es Alla geschrieben wird. (Die maltesische Sprache ist aus einem arabischen Dialekt entstanden.) Das Wort ist übrigens mit dem hebräischen Wort für „Gott“, Elohim, verwandt, das im Alten Testament gebraucht wird. Gott ist nach islamischer Lehre der Schöpfer aller Dinge, der alles bestimmt, der die Menschen durch Propheten und Heilige Schriften rechtleitet, weil er der barmherzige Allerbarmer ist, wie es im Koran unzählige Male heißt. Gott ist einzig und unvergleichlich (La ilaha illallah – „Es ist keine Gottheit außer Gott!“). Daher lässt der muslimische Eingottglaube (Monotheismus) die Vorstellung einer Dreifaltigkeit oder das Dogma von der Gottessohnschaft und der Gottheit Jesu nicht zu. Alle Wesen sind Geschöpfe Gottes, so auch Jesus und Muhammad, die keine Göttlichkeit beanspruchen können.



Arabisch

Arabisch war die Muttersprache Muhammads und der ersten Muslime und folglich die Sprache der koranischen Offenbarung. Auch heute wird der *Koran stets im arabischen Original rezitiert (obwohl Übersetzungen weithein gebräuchlich sind) und das Arabische gilt als die religiöse Sprache des Islams, in der auch das rituelle Gebet verrichtet wird. Allerdings sind die meisten Muslime der Welt keine Araber und sprechen diese Sprache auch nicht im Alltag. Die arabische Schrift, die zahlreiche künstlerische Formen ausbildete, ist ein äußeres Zeichen des Islam: Nicht nur Arabisch, sondern viele von Muslimen gesprochene Sprachen, darunter Persisch (Farsi, Dari), Paschto, Kurdisch, Urdu und Uighurisch (China) werden mit arabischer Schrift geschrieben.



Auferstehung

siehe Jenseits



Bibel

siehe Heilige Schriften, Jesus



Christen

Die Christen gelten, ebenso wie die Juden, als "Schriftbesitzer", die an einen Gottesgesandten (Jesus) und an eine Heilige Schrift (das Evangelium) glauben und zählen daher zu den tolerierten und geschützten Andersgläubigen. Der christliche Glaube an die Gottessohnschaft Jesu wie auch die Vorstellung von der Göttlichkeit Jesus als einer Person der Dreifaltigkeit wird vom Islam jedoch abgelehnt.



Dialog der Religionen

Der Koran fordert die Muslime auf, mit den Schriftbesitzern, also den Anhängern der früheren Offenbarungsreligionen, "auf beste Weise" zu diskutieren. Die verschiedenen Gläubigen sollen miteinander um das Gute wetteifern. Daher ist der Islam einem Dialog der Religionen und Kulturen gegenüber grundsätzlich aufgeschlossen. Auch Muhammad war ständig im Gespräch mit den Juden und Christen in seinem Umfeld, wenn auch oft politische Konflikte stark in den Vordergrund traten.

Literaturhinweis: Thomas Lemmen / Melanie Miehl: Miteinander leben. Christen und Muslime im Gespräch. Gütersloh 2001.



Dschihad

Das Bemühen um die Sache Gottes wird im Koran als Dschihad ("Bemühung, Einsatz") bezeichnet. Dies kann geistige Anstrengung ebenso bedeuten wie Bereitschaft zum Kampf, wenn es darum geht, die muslimische Gemeinschaft zu verteidigen. In den Auseinandersetzungen Muhammads mit feindlichen Stämmen in der Umgebung Medinas spielte der Dschihad für die Muslime eine lebenswichtige Rolle. Später, unter den Kalifen, wurde der Dschihad zum Vehikel für die Ausbreitung des islamischen Herrschaftsgebietes. Allerdings diente der Dschihad nicht zur gewaltsamen Islamisierung: Die Menschen in den eroberten Gebieten blieben meist für lange Zeit in ihrer angestammten Religion. Der Begriff Dschihad eignete sich also hervorragend zur Mobilisierung von Kämpfern, wenn es darum ging, nichtmuslimische Länder aber oft auch muslimische Gebiete zu erobern. Die Instrumentalisierung des Dschihad-Begriffs durch terroristische Gruppen ist durch die schwierige Lage der meisten muslimischen Völker und Staaten und die als ungerecht empfundene Weltordnung bedingt, hat aber wenig mit dem ursprünglichen koranischen Gedanken vom "Einsatz für die Sache Gottes" zu tun.

Die oft gebrauchte Bezeichnung "Heiliger Krieg" ist nicht-islamischen Ursprungs (sie stammt aus dem Alten Testament!) und sollte besser vermieden werden. Es ist ärgerlich, dass die verfälschende Übersetzung des Wortes dschihad mit "Heiliger Krieg" selbst von "Islamexperten" unter Orientalistikprofessoren und christlichen Theologen wie etwa Tilman Nagel und Adel Theodor Khoury weiter propagiert wird. In islamischen Quellen wird der Begriff "heilig" sehr sparsam gebraucht und jedenfalls nicht auf Kampf oder Krieg bezogen.



Engel

Die Engel als himmlische Diener Gottes spielen eine feste Rolle im islamischen Glauben. Sie gelten als geschlechtslos und frei von irdischen Bedürfnissen. Am wichtigsten ist Gabriel, der als Überbringer der Offenbarung Gottes zu den Gottesgesandten gilt, d.h. er ist auch derjenige, der Muhammad den Koran lehrte. Michael, der Todesengel Asrail (Azrail), der die Seelen der Verstorbenen erntet, und Israfil, der die Posaune am Auferstehungstag blasen wird sind weitere Erzengel.



Fasten

siehe Ramadan



Fatwa

siehe Mufti



Frauen und Männer

Der Koran wendet sich an Männer und Frauen beide gehörten zu den ersten Anhängern des Propheten Muhammad. Frauen sind im religiösen Sinne vor Gott den Männern gleichgestellt. Obwohl einige Regelungen des Koran die Stellung der Frauen Arabiens klar verbessert haben (wobei ein Vorrang des Mannes aufgrund seiner Verantwortung für die Versorgung der Familie gewahrt blieb), führten spätere Entwicklungen im islamischen Recht, vor allem aber in den tatsächlich herrschenden Sitten und Gebräuchen zu einer Verschlechterung der Stellung der Frau und ihrer Verdrängung aus der Öffentlichkeit. Die tatsächliche Situation von Frauen in den verschiedenen islamischen Ländern hängt allerdings weniger vom Islam an sich ab, es sind viel mehr lokale Bräuche und traditionelle Rechtssysteme, die das Leben von Frauen und Männern bestimmen oft im Gegensatz zu dem, was Muhammad ursprünglich gelehrt hat.



Fundamentalismus

Eine Anzahl von politischen Bewegungen im modernen Islam, die beansprucht, einen islamischen Staat aufgrund des Korans, der Sunna des Propheten und des islamischen Rechts errichten zu wollen, wird vereinfachend als Fundamentalismus oder auch als Islamismus bezeichnet. Viele Vorstellungen der Islamisten basieren allerdings nicht auf dem ursprünglichen Islam, sondern sind eher Versatzstücke aus modernen abendländischen Ideologien. Die Bezeichnung "Fundamentalismus" ist auf diese Strömungen wenig zutreffend, weil das Gedankengebäude dieser Bewegung mit den "Fundamenten" des Islams wenig zu tun hat; der Begriff wurde vielmehr aus dem christlichen Bereich entlehnt und auf den Islam übertragen.



Fünf Säulen des Islam

Die fünf Hauptpflichten der Muslime werden als die "fünf Säulen des Islams" bezeichnet. Diese sind

(1) das Glaubenszeugnis, ausgedrückt in dem Satz "Ich bezeuge, dass keine Gottheit ist außer Gott (Allah), und ich bezeuge dass Muhammad Gottes Knecht und Gesandter ist!",

(2) das rituelle Gebet,

(3) die Abgabe für die Bedürftigen, Sakat,

(4) das Fasten im Monat Ramadan und

(5) der Haddsch, die Pilgerfahrt nach Mekka.



Gebet

Das rituelle Gebet, für das vorgeschriebene Formen, Körperhaltungen und Texte existieren, gilt als eine der Hauptpflichten (Fünf Säulen) eines Muslims. Diese Form des Gebetes, im Arabischen salat (salah), im Persischen und Türkischen namaz genannt, ist fünfmal täglich zu festgelegten Zeiten zu verrichten: vor Sonnenaufgang; zur Mittagszeit; am Nachmittag; nach Sonnenuntergang und bei Dunkelheit. Voraussetzung für die Verrichtung des Ritualgebets ist die rituelle Reinheit, die durch Waschungen hergestellt wird. Das Gebet wird in Richtung Mekka verrichtet, die Körperhaltungen Stehen, Verbeugen, Niederwerfung und Sitzen wechseln mehrfach. Die Texte werden auf Arabisch rezitiert; der wichtigste Text, der vorgeschriebener Bestandteil der salat ist, ist die 1. Sure des Korans, Surat al-Fatiha "die Eröffnende":

"Im Namen Gottes des barmherzigen Allerbarmers. Lob sei Gott dem Herrn der Welten, dem barmherzigen Allerbarmer, dem König am Tage des Gerichts. Dir dienen wir und dich bitten wir um Hilfe. Führe uns den geraden Weg, den Weg derer, denen du Gnade erwiesen hast, nicht derer, denen du zürnst, und nicht der Irregehenden. Amen."

Neben dem rituellen Gebet gibt es auch das freie Bittgebet, dua genannt, das in jeder Sprache gesagt werden kann; hierzu werden viele Muster und Beispiele Muhammads und frommer Gelehrter überliefert. Eine wichtige Quelle für Bittgebete und Lobpreisungen Gottes ist der Koran.



Gesandte Gottes

siehe Propheten



Glaube

Die Glaubensvorstellungen des Islams basieren auf dem Koran und auf einer Reihe von Aussagen, die im Hadith von Muhammad überliefert werden. Spätere Theologen haben eine Anzahl von Glaubensbekenntnissen formuliert, von denen ein ganz kurzes Verbreitung fand; es wird von muslimischen Kindern auswendig gelernt:

"Ich glaube an Gott und seine Engel, seine Schriften, seine Gesandten, den Jüngsten Tag, an die Bestimmung in ihrem Guten und in ihrem Bösen durch Gott, den Erhabenen, und an die Auferstehung nach dem Tod."

Ein noch kürzeres Bekenntnis ist das zu den "Fünf Säulen des Islams" gehörende Glaubenszeugnis mit den Worten:

"Ich bezeuge, dass keine Gottheit ist außer Gott, und ich bezeuge dass Muhammad Gottes Knecht und Gesandter ist!"

Wer die islamischen Glaubenswahrheiten anerkennt, ist Muslim und zählt zu den Gläubigen. Der Glaube selbst wird iman genannt (nicht zu verwechseln mit Imam!). Alle anderen werden als "Ungläubige" bezeichnet, was allerdings nur bedeutet, dass diese Menschen nicht den Glauben des Islams teilen (Schriftbesitzer; Ungläubige). Wer gläubig und wer ungläubig ist, entscheidet letztlich Gott.



Gott

siehe Allah



Haddsch

Eine der Grundpflichten ("Fünf Säulen") des Muslims ist der Vollzug der Pilgerriten in und um Mekka, sofern er die Möglichkeit hat, die Reise dorthin zu unternehmen. Die Umschreitung der Kaaba, des Gotteshauses im Zentrum der Moschee zu Mekka, und der Aufenthalt an einigen Örtlichkeiten außerhalb von Mekka, verbunden mit Gebeten und einem Schlachtopfer zum Abschluss, sind Hauptbestandteile des Haddsch, der jedes Jahr zu einem bestimmten Zeitpunkt stattfindet und mit dem mehrtägigen Opferfest verbunden ist. Die Pilger kleiden sich während der Haddschzeremonien in schlichte weiße Tücher; bestimmte Dinge wie etwa Geschlechtsverkehr, das Töten von Tieren und Haareschneiden sind während der Riten, bis zum Opferfest, nicht erlaubt.



Hadith

In den ersten Jahrhunderten der islamischen Zeitrechnung wurden zahlreiche Berichte über Worte und Taten Muhammads gesammelt und schließlich in umfangreichen Werken niedergeschrieben. Diese Berichte nennt man Hadith (wörtlich "Gespräch, Mitteilung"). Der aus ihnen zu entnehmende "Brauch" des Propheten ist die Sunna, die neben dem Koran die wichtigste Quelle für Glauben, religiöse Praxis und Recht des Islams darstellt. Die genannten umfangreichen Werke, die Hadith-Sammlungen, entstanden meist im 9. Jahrhundert. Die Sammlungen von al-Buchârî und Muslim, beide mit dem Titel "al-Djâmi' as-sahîh" ("die authentische Sammlung"), gelten unter Sunniten als besonders zuverlässig. Die Schiiten haben eigene Hadith-Sammlungen, deren bekannteste das Werk "al-Kâfî fî 'ilm ad-dîn" ("Das Genügende in der Religionswissenschaft") von al-Kulaini ist.

Eine sehr empfehlenswerte Auswahl aus der Sammlung des Buchârî ist: Sahîh al-Buhârî, Nachrichten von Taten und Aussprüchen des Propheten Muhammad. Aus dem Arabischen übersetzt von Dieter Ferchl. Stuttgart (Reclam) 1991.



Heilige

Im Koran werden besonders fromme und verdienstvolle Menschen als "Freunde Gottes" (auliya Allah) bezeichnet. ("Heilige" ist eine eher ungenaue Übersetzung dieses Begriffes.) In späterer Zeit wurden diese "Freunde" immer stärker verehrt, so dass sich eine regelrechter Heiligenkult entwickelte, der stark von früheren Religionen beeinflusst ist. Während der orthodoxe Islam der Gelehrten dieser Heiligenverehrung skeptisch oder sogar völlig ablehnend gegenübersteht, spielt er im Sufismus und im muslimischen Volksglauben eine große Rolle.



Heilige Schriften

Nach islamischer Lehre hat Gott seit Anbeginn der Zeiten Menschen ausgewählt, denen er zum Wohle der Menschheit Rechtleitung in Form von Offenbarungsschriften zukommen ließ. Die Thora des Mose, der Psalter Davids, das Evangelium Jesu (im Sinne seiner eigenen Verkündung) sowie der Koran als abschließende Offenbarungsschrift gelten als "Heilige Bücher", die von Muslimen anerkannt werden, obwohl praktisch nur der Koran und die sich daran anschließende Überlieferung (Hadith) für den Islam maßgeblich sind. Die Anhänger früherer Offenbarungsreligionen, also besonders Juden und Christen, werden als "Schriftbesitzer" bezeichnet.



"Heiliger Krieg"

siehe Dschihad



Hölle

siehe Jenseits



Imam

Ein Vorsteher, Leiter oder Führer einer islamischen Gemeinschaft wird Imam genannt. Sowohl der Vorbeter beim gemeinschaftlichen Gebet (gleich ob er ein Laie ist oder ein offizieller Moscheeangestellter) wird mit diesem Begriff bezeichnet als auch der Führer aller Muslime; im letzteren Sinne ist Imam mit Kalif bedeutungsgleich. Speziell bei den Schiiten wird Imam im Sinne von "Führer aus der Nachkommenschaft des Ali" gebraucht. Teilweise gelten die frühen Imame der Schiiten als heilig und unfehlbar.



Iman

siehe Glaube



Islam

Die erforderliche Haltung des Menschen gegenüber Gott (Allah) ist die Hingabe, arabisch: islam. Ein Mann oder eine Frau, die sich Gott ergeben, heißen Muslim bzw. Muslima. Während der Begriff im Koran noch allgemeine Bedeutung hat (Abraham wird zum Beispiel als der erste Muslim bezeichnet), wurde der Begriff bald zu einer festen Religionsbezeichnung. Der Islam ist also die Lehre Muhammads, die auf dem Koran und dem Brauch des Propheten, der Sunna, basiert.



Islamische Mystik

siehe Sufismus



Islamischer Staat

Obwohl es im Koran praktisch keine staatsrechtlichen Bestimmungen gibt, entstand in neuerer Zeit die Vorstellung vom "Islamischen Staat". Muhammads kleiner Stadtstaat in Medina, also die Urgemeinde des Islam, wird von islamischen Ideologen als Modell betrachtet, an dem sich auch heutige islamische Länder zu orientieren haben. Abgesehen von den Schwierigkeiten, aus den Gegebenheiten eines kleinen Gemeinwesens des 7. Jahrhunderts eine Staatstheorie für heutige islamische Länder oder gar ein Weltreich mit einem Kalifen als Oberhaupt abzuleiten es gibt heute keine Staaten, die einem solchen Modell entsprechen würden. Das Königreich Saudi-Arabien und die Islamische Republik Iran, obwohl in ihrer politischen Struktur gänzlich verschieden, beanspruchen beide, islamische Staaten im eigentlichen Sinne zu sein.



Islamisches Recht

siehe Scharia



Islamisten

Muslime, die eine modernistische politische Ideologie vertreten, nach der bereits aus dem Koran und der Sunna ein vollkommener islamischer Staat abgeleitet werden könne, in dem alles nach dem göttlichem Gesetz, der Scharia, geregelt sei, bezeichnen sich selbst als Islamisten. Es gibt allerdings sehr unterschiedliche Strömungen im islamistischen Bereich, wobei die meisten eher friedliche Methoden zur Umwandlung der bestehenden Systeme in muslimischen Ländern in ein islamisches System befürworten. Tatsächlich gibt es auch unduldsame Islamisten, die einen Umsturz mit Gewalt befürworten bis hin zur Billigung terroristischer Methoden.



Jenseits

Die Verkündigung des Jüngsten Tages, der Auferstehung der Toten und des ewigen Lebens in Paradies oder Hölle bildeten das wichtigste Thema in Muhammads früher Verkündigung. Der Glaube an die letzten Dinge und das Leben im Jenseits spielen daher im islamischen Glauben eine besonders wichtige Rolle. Die Jenseitsschilderungen des Korans sind berühmt wegen ihrer üppigen Ausdrucksweise: Die Freuden des Paradieses und die Qualen der Hölle werden in poetischer Sprache und in bunten Bildern beschrieben.



Jesus

Jesus gilt im Islam als Gottesgesandter und Prophet, ähnlich den vorausgegangenen Gesandten etwa Mose und David , allerdings wird er als bloßer Mensch betrachtet. Obwohl der Koran die Geburt Jesu von der Jungfrau Maria anerkennt und ihm auch viele Wunder zuschreibt, gilt er doch als "Sohn der Maria" und nicht als "Sohn Gottes". Letztere Bezeichnung ebenso wie der Glaube, Jesus sei Gott oder ein Teil der Dreieinigkeit, widersprechen der islamischen Auffassung von der Einheit und Einzigkeit Gottes (Allah). Das Evangelium ist nach muslimischer Ansicht eine Offenbarungsschrift, die Jesus ursprünglich von Gott empfing. Die Evangelien des Neuen Testaments sind nicht mit dieser Offenbarung identisch.



Juden

Die Juden als Anhänger des Propheten Mose und Bewahrer der Thora gelten ebenso wie die Christen als Schriftbesitzer und genießen im Islam Religionsfreiheit (Toleranz). Trotz der politischen Konflikte, die Muhammad mit den Juden von Medina austragen musste, hat das Judentum den Islam von Anfang an besonders stark befruchtet (siehe Moses), so dass sich die beiden Religionen in vielen Dingen recht nahe stehen.



Jüngster Tag

siehe Jenseits



Kalif

Nach dem Tode Muhammads wurden die Geschicke der jungen muslimischen Gemeinschaft von Vertrauten des Propheten geleitet, die man als seine Nachfolger (= Kalifen) bezeichnet. In der Frühzeit des Kalifats (ca. 632-661 n.Chr.), als sich der Islam bereits weit über Arabien hinaus verbreitete, wurde der Kalif durch Wahl bestimmt. Erst später setzte sich die Erbfolge durch, so dass der Kalif immer mehr zu einem König oder Kaiser des islamischen Weltreichs wurde. In jüngerer Zeit beanspruchten die türkischen Sultane, Kalifen des Islams zu sein, obwohl sie tatsächlich nie über einen Großteil der islamischen Welt herrschten. Das Kalifat wurde 1924 in der Türkei abgeschafft und spielt im muslimischen Denken derzeit keine wichtige Rolle mehr.



Koran

Die Offenbarungen, die Muhammad während seines Wirkens in Mekka und Medina empfing und verkündete, werden Koran (wörtlich: "Rezitation, Lesung") genannt. Im Laufe von 23 Jahren entstand eine umfangreiche Textsammlung in dichterischer arabischer Sprache. Dieses Buch gilt als das vom Engel Gabriel dem Propheten Muhammad überbrachte Wort Gottes und genießt im Islam allerhöchste Wertschätzung: Obwohl Übersetzungen weit verbreitet sind, wird der Koran öffentlich und im Gebet nur im arabischen Originaltext vorgetragen. Das heilige Buch, das in 114 unterschiedlich lange Kapitel, die Suren, gegliedert ist, enthält überwiegend religiöse Lehren, Betrachtungen über Gott und seine Schöpfung, die Geschichten früherer Propheten und Völker sowie zahlreiche Schilderungen des Jenseits: der Tag der Auferstehung, Paradies und Hölle. Ein Teil des Korans befasst sich mit den aktuellen Fragen und Konflikten in Muhammads Gemeinde, spiegelt also die Zeit Medinas im 7. Jahrhundert wieder. Nur ein kleiner Teil des Korans enthält Gebote, Verbote oder gesetzliche Bestimmungen. Anders als im Abendland lange geglaubt, ist der Koran somit kein "Gesetzbuch der Muslime". Der Koran beginnt mit der Surat al-Fatiha, der eröffnenden Sure, die zugleich das wichtigste Gebet der Muslime ist.

Als maßgebliche wissenschaftliche Koranübersetzung ins Deutsche gilt: Rudi Paret: "Der Koran. Übersetzung." Allerdings ist auch dieses Werk, wie alle Übersetzungen, nicht frei von Mängeln. Die älteste deutsche Übersetzung durch einen Muslim, zugleich die erste arabisch-deutsche Koranausgabe, ist die von [Maulana] Sadr-ud-Din (Berlin 1939), von der ein Nachdruck im Umlauf ist.



Krieg

siehe Dschihad



Mekka und Medina

Mekka und Medina liegen beide in der Landschaft Hidschas im westlichen Teil der Arabischen Halbinsel (heute Saudi-Arabien). Ein seit altersher bestehendes Heiligtum in Mekka, die Kaaba, wurde in den Islam integriert: Sie gilt als das von Abraham errichtete Gotteshaus, zu dem Muslime pilgern (Haddsch) und in dessen Richtung sie das Gebet verrichten. Muhammad wurde in Mekka geboren, war also mit der Stadt und ihrem Heiligtum engstens verbunden. Da er nach Medina (damals Yathrib) auswandern musste, wo er die Umma, die muslimische Gemeinschaft gründete, gewann diese Stadt bald größere praktische Bedeutung als Mekka; Muhammad wurde schließlich in Medina, das nun Hauptstadt des sich über ganz Arabien verbreitenden Islam geworden war, begraben. Von Medina aus eroberten die Kalifen weite Länder, doch bald wurde die Hauptstadt nach Damaskus in Syrien, noch später nach Bagdad im Irak verlegt. Mekka und einige Örtlichkeiten in der näheren Umgebung sind der Ort, an dem die Pilger den Haddsch vollziehen, und somit das spirituelle Zentrum der islamischen Welt. Es ist jedoch üblich, im Anschluss an die Pilgerfahrt auch dem Grab des Propheten in Medina einen Besuch abzustatten.



Minarett

Den Turm einer Moschee, von dem der Gebetsrufer zum Gebet auffordert, wird Minarett (ursprünglich "Leuchtturm") genannt. Ein Minarett ist traditioneller Bestandteil des Moscheegebäudes, aber keine religiös unverzichtbare Erfordernis. Der Gebetsruf, adhan genannt, der stets auf Arabisch erklingt, enthält unter anderem das kurze islamische Glaubenszeugnis (Fünf Säulen). Der Gebetsrufer wird Muadhdhin (Muezzin) genannt.



Mohammed

siehe die korrekte Form Muhammad



Moschee

Der Platz oder das Gebäude, welches Muslimen zum gemeinschaftlichen Gebet dient, wird Moschee genannt das Wort geht auf das arabische masdschid "Anbetungsort, Stätte der Niederwerfung" zurück. Normalerweise sind Moscheen mit Teppichen oder Strohmatten ausgelegt, die man nur ohne Schuhe betritt; Bänke sind nicht vorhanden, man sitzt auf dem Boden. Eine Nische in der Wand, die in Richtung Mekka liegt und die Mihrab genannt wird, zeigt die Gebetsrichtung (Kibla, qibla) an. Ein oder mehrere Moscheetürme, Minarette genannt, die je nach Land sehr unterschiedliche Formen haben können, dienen dem Gebetsrufer zur Verkündigung der Gebetszeiten.



Moses

Mose oder Moses (arabisch Mûsâ) gilt im Islam als einer der wichtigsten Propheten und Gesandten Gottes. Ihm wurde die Tora (Thora) geoffenbart. Mûsâ ist die am häufigsten im Koran erwähnte Person.



Moslems

siehe die korrekte Form: Muslime



Muezzin

siehe Minarett



Mufti

Ein muslimischer Rechtsgelehrter, der das Amt eines Rechtsgutachters bekleidet, wird Mufti (wörtlich: "einer, der Ratschlag gibt") genannt. Der Mufti kennt die Handbücher des islamischen Rechts und erteilt Auskünfte (fatwa) auf Anfrage; diese können minutiöse Details des Rituals oder auch juristische und staatsrechtliche Angelegenheiten betreffen. Eine Fatwa ist also eine rechtliche Auskunft, jedoch keine richterliche Entscheidung und auch kein Todesurteil.



Muhammad

Muhammad wurde um 570 n.Chr. in der Stadt Mekka geboren, wo seit langer Zeit ein Heiligtum, die Kaaba, bestand. Im Alter von vierzig Jahren erhielt Muhammad seine erste Offenbarung, die im auftrug, das empfangene Wort Gottes (den Koran) vorzutragen. Er verkündete seinen Landsleuten die Botschaft vom Jüngsten Tag, der Auferstehung, dem Paradies und der Hölle und schließlich von der Einzigkeit Gottes und der Nichtigkeit der heidnischen Götter. Muhammad stieß überwiegend auf Ablehnung, fand aber Trost in den Geschichten der früheren Propheten und Gottesgesandten, denen es ebenso ergangen war: Noah und Mose tragen im Koran Züge, die der Geschichte Muhammads ähneln. Muhammad gewann in Mekka Anhänger, doch im Laufe der Zeit wurde die Bedrückung durch die mekkanischen Aristokraten immer unerträglicher, so dass der Prophet mit seinen Getreuen in die rund 500 km nördlich gelegene Siedlung Yathrib, das spätere Medina auswanderte. Dort lebten arabische Stämme, die Landwirtschaft betrieben und Muhammads Botschaft annahmen, aber auch viele Juden, die ebenfalls in Stämme gegliedert waren. In Medina entstand die erste organisierte muslimische Gemeinde mit dem Gebetsplatz des Propheten der Moschee von Medina als Mittelpunkt. Die Feindseligkeiten der mekkanischen Herrscher berührten die Muslime aber auch in Medina und die Juden in dieser Stadt wollten Muhammad nicht als Propheten anerkennen, was zu Konflikten, u.a. zur Vertreibung der jüdischen Stämme aus Medina führte. Die Verkündigung Muhammads berücksichtigt alle diese Gegebenheiten und fand Aufnahme in den Koran. Im Jahre 630 konnte Muhammad jedoch auch Mekka gewaltlos einnehmen; somit war der Anfang gemacht für die Verbreitung der neuen Religion in ganz Arabien, doch erst nach Muhammads Tod (632 n.Chr.) wurden die im Norden angrenzenden Länder erobert.

Muhammad verstand sich als auserwählter Gesandter und Prophet Gottes, als Überbringer des ihm durch den Engel Gabriel geoffenbarten Koran, also des Wortes Gottes. Er beanspruchte aber keine übermenschliche Größe, lehnte es ab, göttlich oder unfehlbar zu sein und wollte auch keine Wunder tun. Die spätere Überlieferung hat dem Propheten jedoch zahlreiche Wunder zugeschrieben und ihn zu einem idealen, vollkommenen Menschen umgestaltet; in mystischen (sufischen) und volkstümlichen Kreisen ist eine regelrechte Muhammad-Verehrung entstanden, die etwa die Hoffnung beinhaltet, dass der Prophet beim Jüngsten Gericht Fürsprache für die sündigen Muslime einlegen werde. Das Bekenntnis zum einen Gott, Allah, und zum Propheten wird als erste der fünf Säulen des Islam mit folgender Formel zum Ausdruck gebracht:

"Ich bezeuge, dass keine Gottheit ist außer Gott, und ich bezeuge dass Muhammad Gottes Knecht und Gesandter ist!"



Muslime

Männer und Frauen, die sich Gott hingeben (islam = "Hingabe"), nennt man Muslime. Der Ausdruck ist praktisch identisch mit "Anhänger der Lehre Muhammads", obwohl im Koran auch frühere Gottesgesandte, z.B. Abraham, als Muslime bezeichnet werden. Während der Begriff Muslim die Beziehung des Gläubigen zu Gott charakterisiert, ist die im Abendland lange übliche Bezeichnung "Mohammedaner" irreführend und kommt immer mehr außer Gebrauch.

Es gibt etwa eine Milliarde Muslime auf der ganzen Welt, die meist einer der großen Hauptrichtungen (Sunniten und Schiiten) angehören. Die meisten Muslime leben auf dem indopakistanischen Subkontinent und in Südostasien, d.h. nur ein Teil der Muslime sind Araber und sprechen Arabisch als Muttersprache.



Mystik

siehe Sufismus



Paradies

siehe Jenseits



Pilgerfahrt

siehe Haddsch



Propheten

Nach muslimischem Glauben hat Gott zur Rechtleitung der Menschheit seit Anbeginn der Zeiten Gesandte und Propheten geschickt. Selbst Adam und Noah gelten daher im Islam als Propheten, obwohl die Bezeichnung "Gottesgesandte" eher zutrifft. Die größten dieser von Gott auserwählten Männer sind nach islamischer Auffassung Abraham, Moses, David, Jesus und als deren letzer Muhammad. Die Heiligen Schriften, die diesen Gestalten zugeschrieben werden, genießen deshalb auch unter Muslimen einige Wertschätzung. Die Reihe der Propheten kam mit Muhammad zum Abschluss; er wird im Koran als "das Siegel der Propheten" bezeichnet.



Ramadan

Der neunte Monat des islamischen Mondkalenders heißt Ramadan. In diesem Monat empfing Muhammad seine erste Offenbarung, weshalb der Ramadan als der Monat der Herabsendung des Korans gilt. Es ist daher üblich, während dieses Monats das gesamte heilige Buch zu rezitieren. Seine ganz besondere Bedeutung erhält der Ramadan jedoch dadurch, dass er die Fastenzeit des Islams ist. Erwachsene gesunde Muslime sind verpflichtet, alle 29 oder 30 Tage des Mondmonats von Anbruch der Morgendämmerung (etwa 90 Minuten vor Sonnenaufgang) bis zum Sonnenuntergang zu fasten, d.h. sich des Essens, Trinkens, Rauchens und der geschlechtlichen Betätigung zu enthalten in der Nacht ist dies alles jedoch gestattet. Der Ramadan endet mit dem mehrtägigen Fest des Fastenbrechens (Id al-Fitr), das im Türkischen "Ramadanfest", volkstümlich auch "Zuckerfest" genannt wird, weil es üblich ist, Süßigkeiten zu verteilen.



Sakat (auch Zakat, Zakah)

Eine der Grundpflichten des Muslims (Fünf Säulen) ist die Abgabe für die Bedürftigen, die Sakat. Im Allgemeinen gilt, dass man ein Vierzigstel seiner Ersparnisse und Wertgegenstände spenden muss. Für Bodenschätze und landwirtschaftliche Güter gibt es besondere Regelungen. Während in einigen Staaten die Sakat-Abgabe in Form eines Steuersystems geregelt ist, leisten die meisten Muslime, besonders die in nichtmuslimischen Ländern lebenden, die Sakat auf freiwilliger Basis. Neben der Sakat kann beliebig gespendet werden; solche freiwilligen Almosen nennt man Sadaka.



Scharia

Das Wort Scharia bedeutet eigentlich "Pfad" und meint im Koran ganz allgemein die Religion. Später erhielt das Wort die spezifische Bedeutung "Gesetz" und so wird das islamische Gesetz insgesamt als die Scharia bezeichnet. Diese umfasst rituelle Vorschriften etwa über Waschungen, Gebete, das Fasten im Ramadan, die Sakat und die Pilgerfahrt (Haddsch) ebenso wie familienrechtliche Regelungen, Gesetze über Handel und Bewässerung, ja selbst Staatsrecht und Strafrecht. Rein theoretisch gilt die Scharia, obwohl nur sehr wenige Einzelheiten dieses umfassenden Rechtssystems auf dem Koran basieren, als göttliches Recht. In Wirklichkeit ist die große Masse der Vorschriften von Rechtsgelehrten über Jahrhundert entwickelt worden. Einige Teile der Scharia, etwa das Sklavenrecht, haben ihre Bedeutung völlig verloren, während andere, besonders familienrechtliche Bestimmungen, in vielen islamischen Ländern nach wie vor gültig sind.



Schiiten

In den ersten Jahrzehnten nach dem Tode Muhammads gab es Auseinandersetzungen über die Frage, wer dazu berechtigt sei, die Geschicke der Gemeinschaft zu lenken. War jeder gläubige Muslim dazu berechtigt oder nur eine Person aus dem Stamm des Propheten? Während letzere Meinung sich durchsetzte (bald aber ihre praktische Bedeutung verlor), vertrat eine Gruppierung die Ansicht, nur Ali, der Cousin und zugleich Schwiegersohn Muhammads, sowie seine Söhne seien berechtigt, die muslimische Gemeinschaft, die Umma, zu führen. Ali und seine Nachfolger (die meistens keine politische Macht besaßen) wurden als Imame bezeichnet und später hoch verehrt. Verschiedene Gruppen unter den Ali-Anhängern betrachteten im Laufe der Zeit unterschiedlich lange Reihen von Imamen als maßgeblich: Manche erkannten nur fünf, andere sieben Imame an. Die Richtung, welche insgesamt zwölf Imame anerkannte, deren letzter in die "Verborgenheit" entrückt wurde und als Mahdi ("Rechtgeleiteter") am Ende der Zeiten wiederkehren soll, werden als Imamiten oder Zwölfer-Schiiten bezeichnet. Sie bilden die Mehrheit der Bevölkerung im Iran, Irak und Libanon. Im schiitischen Islam entstanden im Laufe der Zeit sehr viele Sekten und Sondergemeinschaften die Aleviten in der Türkei sind eine davon.



Schriftbesitzer

Im Koran werden die Menschen, die schon vor dem Islam an geoffenbarte Heilige Schriften glaubten, als "Volk des Buches" oder "Schriftbesitzer" bezeichnet. Hiermit sind hauptsächlich Juden und Christen gemeint. Auch wenn diese Gruppen in der traditionellen Theologie als "Ungläubige" gelten, so genießen sie doch eine höhere Wertschätzung als Heiden oder Götzendiener. Die Tatsache, dass Juden und Christen Heilige Schriften besaßen, sicherte ihnen die Toleranz der Muslime. In der Praxis wurde diese auch auf andere Religionen, etwa Hindus und Buddhisten ausgedehnt. Aus diesem Grunde haben sich in den meisten muslimischen Ländern größere oder kleine Gruppen erhalten, die den vorislamischen Religionen angehören.



Sufismus, Sufitum

Die islamische Mystik hat ihren Ursprung in einer Frömmigkeitsbewegung im frühen Islam, die stark asketische Züge trug. Die Anhänger dieser Richtung, die allen Luxus verschmähten, trugen Wollgewänder, so dass sie schließlich nach dem arabischen Wort für "Wolle", suf, als Sufis bezeichnet wurden. Erst im späteren Mittelalter entstanden zahlreiche mystische Orden, in denen die sufische Lehre und bestimmte Formen der Meditation und des lauten, rhythmischen Gottesgedenkens, oft auch mit Musik und Tanz verbunden, gepflegt und verbreitet wurden. Während einige dieser Orden sehr volkstümlich geprägt sind, haben andere einen recht hohen intellektuellen Anspruch. Am bekanntesten sind vielleicht die Anhänger des Mevleviye-Ordens, auch "Tanzende Derwische genannt", deren geistiger Vater der Mystiker und Dichter Dschalaluddin Rumi (13. Jahrhundert n.Chr.) war.

Zur Einführung in die islamische Mystik sind die Werke und Übersetzungen von Annemarie Schimmel zu empfehlen.



Sunna

Das arabische Wort 'Sunna' bedeutet "Brauch" und bezeichnete ursprünglich die in der frühen islamischen Gemeinde übliche Praxis in religiösen und gesetzlichen Angelegenheiten. Der Begriff wurde aber bald zunehmend im Sinne von "Brauch des Propheten" verstanden, dem es in allem zu folgen galt. Die zahlreichen Berichte (Hadith) über Worte und Taten Muhammads lieferten das Material, in dem die Sunna zu finden war. Da der Koran nur wenige praktische Anweisungen enthält und beispielsweise nicht regelt, wie das rituelle Gebet zu vollziehen ist, hat die Sunna für alle Fragen des religiösen Lebens große praktische Bedeutung selbst in Fragen der Kleidung und der Tischsitten richten sich viele fromme Muslime nach dem überlieferten Beispiel des Propheten. Die in älteren europäischen Werken gelegentlich zu findende Angabe, die Schiiten würden sich dadurch von den Sunniten unterscheiden, dass nur letztere die Sunna anerkennen würden, ist falsch. Das Missverständnis ist offensichtlich durch eine falsche Auffassung der Bezeichnung "Sunniten" entstanden.



Sunniten

Die große Mehrheit der Muslime gehört zu der Richtung der Sunniten. Dieser Name ist eine Kurzform der Selbstbezeichnung "die Anhänger des Brauchs und der Gemeinschaft", die sich die Gelehrten gaben, welche sich am Brauch (arab. sunna = "Brauch") der ersten Nachfolger Muhammads, der Kalifen, sowie dem der Mehrheit der Gläubigen orientierten. Dies geschah in Abgrenzung gegenüber zahlreichen Splittergruppen, die nur von wenigen Muslimen gebilligte Sonderlehren vertraten, wie etwa die Auffassung der Schiiten, dass nur Ali und seine Nachkommen das Recht hätten, das politische Oberhaupt (Kalif, Imam) aller Muslime zu stellen. Die Sunniten unterscheiden sich heutzutage im Glauben und in der religiösen Praxis kaum von der Mehrheit der Schiiten; in beiden Hauptrichtungen des Islams gibt es jedoch verschiedene Rechtsschulen, Sufi-Orden und kleinere Sekten.



Sure (Sura)

Die 114 unterschiedlich langen Kapitel des Korans nennt man Suren. Während einige nur wenige Zeilen umfassen, sind andere Suren sehr lang und behandeln eine Vielzahl von Themen. Kürzere Suren werden auswendig gelernt und im Gebet vorgetragen, so etwa die 1. Sure, "die Eröffnende" (al-Fatiha; siehe Gebet). Die einzelnen Sätze innerhalb der Suren werden als aya (Plural: ayat) "Zeichen" bezeichnet, im Deutschen als "Verse" sie enden meist mit einem Reimwort.



Toleranz

Im Koran wird festgestellt, dass nur Gott Menschen auf den rechten Weg leiten kann, dass niemand zum Glauben gezwungen werden darf (Sure 2:256) und dass zwischen den Anhängern der verschiedenen Religionen ein Wettbewerb im Guten herrschen soll (Sure 5:48). Da außerdem Juden und Christen im Koran wegen ihres Glaubens an die biblischen Bücher als "Schriftbesitzer" bezeichnet und anerkannt werden, gilt Toleranz als die richtige Art, mit der Muslime Andersgläubigen begegnen sollen. Dies steht nicht im Widerspruch zu der Auffassung, dass Nichtmuslime, da sie beispielsweise nicht an die göttliche Sendung des Propheten Muhammad glauben, als "Leugner" (oder "Ungläubige") bezeichnet werden und rechtlich von den Muslimen getrennt sind. Gewaltsame Übergriffe von Muslimen auf andere Menschen aufgrund deren Religion sowie Zwangsislamisierungen hat es hier und da gegeben allerdings gegen die klaren Aussagen des Korans.



Umma

Die Gemeinschaft aller Muslime wird als Umma, wörtlich "Volk, Gemeinschaft" bezeichnet. Die Umma ist kein Staat oder Weltreich, obwohl es Jahrhunderte lang ein solches gegeben hat, sondern existiert auch ohne äußeren Rahmen. Ursprünglich war die Umma die muslimische Gemeinschaft von Medina, doch auch umliegende Stämme, die den Islam angenommen hatten, sowie die Nichtmuslime insbesondere die Juden wurden zur Umma gerechnet. Nach der klassischen islamischen Theorie muss die Umma ein Oberhaupt haben, eine Art Weltpräsidenten, den man als Kalif oder Imam bezeichnet.



Ungläubige

Menschen, die nicht an die koranische Offenbarungen und die göttliche Sendung Muhammads glauben, werden im Islam traditionell als "Ungläubige" oder genauer als "Leugner" (kafir) betrachtet. Dies heißt jedoch nicht, dass ihnen gar kein Glaube zugestanden würde, da Juden und Christen im Koran eindeutig als Anhänger früherer Propheten mit eigenen Heiligen Schriften als "Schriftbesitzer" bezeichnet werden. Tatsächlich gibt es im heutigen Islam die Meinung, dass Anhänger anderer Religionen grundsätzlich nicht als "Ungläubige" bezeichnet werden können. Dass in der Rhetorik gewaltbereiter Islamisten der Begriff "Ungläubige" zur Unterstreichung von Feindbildern gebraucht wird, steht auf einem ganz anderen Blatt. Nach dem Koran sollen Muslime Andersgläubigen mit Toleranz begegnen, da nur Gott die Menschen rechtleiten kann.



Vorherbestimmung

Eines der islamischen Glaubensdogmen ist die Bestimmung aller Dinge, Gut und Böse, durch Gott. Diese Vorstellung gründet sich auf koranische Aussagen, nach denen alles dem Willen Gottes unterliegt: "Wen Gott rechtleitet, der ist auf dem geraden Weg; wen er aber irre gehen lässt, für den gibt es keinen, der ihn leitet." (Etwa Sure 7:178; 17:97; 39:37) Dies führte bei den Theologen zu der Frage nach der Willensfreiheit des Menschen; auf diese wurden sehr unterschiedliche Antworten gegeben, die sehr philosophisch und gekünstelt wirken. Die Vorstellung von der Allwissenheit Gottes und der Entscheidungsfreiheit des Menschen war schwer miteinander zu vereinbaren. Die volkstümliche Vorstellung, dass alles von Gott seit Ewigkeit vorherbestimmt und somit Schicksal sei, ist nicht die korrekte islamische Lehre, hat aber den Vorteil, dass Anhänger dieser Anschauung Schicksalsschläge als göttlichen Willen verstehen, annehmen und somit leichter ertragen können.

Zakat

siehe Sakat

Mekka - Aquarell von Andreas Ismail Mohr (1989)